Die Große Halle der Stadthalle Olpe war bis auf den letzten Platz gefüllt. draußen regnete es, drinnen herrschte feierliche Stimmung. 23 Männer und Frauen standen an diesem Abend im Rampenlicht, und das völlig zu Recht. Sie alle hatten in den vergangenen Monaten und Jahren eine der anspruchsvollsten Prüfungen des deutschen Bildungssystems bestanden: die Meisterprüfung im Handwerk.
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Doch es war nicht nur die schiere Zahl, die diesen Abend besonders machte. Es war die unglaubliche Bandbreite an Talenten, die hier geehrt wurden. Die Handwerkskammer Südwestfalen hatte geladen, und die neuen Meister kamen aus den unterschiedlichsten Gewerken. Da war der junge Tischler, der einen historischen Dachstuhl nicht nur repariert, sondern originalgetreu nach historischem Vorbild neu errichtet hatte. Da war die Konditormeisterin, deren Hochzeitstorte aussah wie ein Kunstwerk und nach Lavendel und Zitrone schmeckte. Und da war der Klempnermeister, dessen Meisterstück ein bronzener Seerosenbrunnen war – komplett handgefertigt, mit jeder Blüte einzeln getrieben.
„Es ist beeindruckend zu sehen, was junge Menschen heute mit ihren Händen erschaffen können“, sagte Kammerpräsident Dr. Christoph von Landwüst in seiner Laudatio. „Sie sind nicht nur Fachkräfte, sie sind Künstler. Sie sind Gestalter unserer gebauten Umwelt.“
Besonders viel Aufsehen erregte an diesem Abend ein junger Mann, der in der Kategorie „Metallbauer“ antrat. Sein Meisterstück? Eine voll funktionsfähige E-Gitarre, deren Korpus aus geschmiedetem Stahl bestand und mit feinen Gravuren verziert war. Der Korpus war so geformt, dass er nicht nur gut aussah, sondern auch einen besonderen, warmen Klang erzeugte. „Ich wollte zeigen, dass Metall nicht immer hart und kalt sein muss“, erklärte der frischgebackene Meister. „Es kann auch Musik machen.“
Die Geschichten hinter den 23 Meisterstücken sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Eine junge Friseurmeisterin hatte eine ganze Kollektion von Haarkreationen entworfen, inspiriert von den Jahreszeiten. Ein Maurermeister baute einen Miniatur-Backofen, in dem man tatsächlich Brot backen konnte. Und ein Informationstechniker-Meister programmierte eine App, die Handwerkern hilft, ihre Materialien besser zu verwalten.
Doch der Abend in Olpe war mehr als nur eine Feier der handwerklichen Fähigkeiten. Es war auch ein Abend, der die Bedeutung des Handwerks für die Gesellschaft unterstrich. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen im Büro arbeiten und viele Dinge am Fließband produziert werden, sind es die Handwerker, die dafür sorgen, dass die Welt funktioniert. Sie reparieren unsere Heizungen, bauen unsere Häuser, backen unser Brot und schneiden unsere Haare.
„Handwerk ist systemrelevant“, betonte ein Redner. „Ohne Handwerker läuft nichts. Und diese 23 jungen Menschen sind die besten Belege dafür.“