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Rodd Witter

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Joggen war gestern, Walken ist von vorgestern. Der neue Trend für draußen heißt „Nordic Cruising“ – und er ist das Gegenteil von Leistungssport. Gemütliches, achtsames Gehen ohne Schnelligkeitsdruck, dafür mit viel Zeit für die Natur, für Gespräche, fürs Genießen.

Die Idee stammt aus Skandinavien, wo „Cruising“ schon lange eine Lebenseinstellung ist. Langsam fahren, die Aussicht genießen, anhalten, wenn es schön ist – das ist das Prinzip. Übertragen aufs Gehen bedeutet Nordic Cruising: Spazierengehen mit Stöcken, aber nicht mit dem sportlichen Ehrgeiz des Nordic Walkings, sondern in entspanntem Tempo.

„Beim Nordic Cruising geht es nicht um Kilometer oder Minuten“, erklärt eine Kursleiterin aus Hamburg. „Es geht ums Ankommen. Um das Gefühl, den Alltag hinter sich zu lassen und ganz im Moment zu sein. Die Stöcke helfen dabei, den Körper aufzurichten und die Schritte zu rhythmisieren, aber der Kopf darf abschalten.“

Viele, die das ausprobieren, sind begeistert. Sie laufen nicht mehr hektisch durch die Gegend, sondern lassen sich Zeit. Sie bleiben stehen, wenn sie eine schöne Blume sehen, sie setzen sich auf eine Bank und genießen die Aussicht, sie plaudern mit den Mitläufern. Nordic Cruising ist eine soziale Aktivität, kein Einzelsport.

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Es ist eines der größten Bürgerwissenschaftsprojekte Deutschlands: die „Stunde der Wintervögel“. Jedes Jahr im Januar rufen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der bayerische Landesbund für Vogel- und Naturschutz dazu auf, eine Stunde lang die Vögel im Garten, im Park oder auf dem Balkon zu zählen. Tausende Menschen machen mit, und die Daten helfen den Forschern, die Entwicklung der Vogelbestände zu verstehen.

Die Aktion ist denkbar einfach: Eine Stunde lang beobachten, was da piept und flattert, und die höchste Anzahl jeder Art notieren. Dann werden die Daten online oder per Post gemeldet. Schon ist man Teil einer deutschlandweiten Vogelzählung.

Für viele ist die Stunde der Wintervögel der Einstieg in die Vogelbeobachtung. Man muss kein Experte sein, um mitzumachen. Eine einfache Liste der häufigsten Arten hilft bei der Bestimmung. Und wer unsicher ist, kann Fotos machen oder in Foren nachfragen.

„Ich mache jetzt seit fünf Jahren mit“, erzählt eine Teilnehmerin aus Hamburg. „Am Anfang konnte ich kaum einen Vogel unterscheiden. Inzwischen kenne ich die Meisen, Finken und Rotkehlchen alle mit Namen. Es macht einfach Spaß, genauer hinzuschauen.“

Die Ergebnisse der Zählung geben Aufschluss über den Zustand der Vogelwelt. In milden Wintern bleiben viele Standvögel im Land, in strengen Wintern ziehen sie sich zurück. Manche Arten nehmen ab, andere zu. Die Langzeitdaten zeigen Trends, die für den Artenschutz wichtig sind.

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Stellen Sie sich vor, Sie gehen spazieren, und plötzlich stehen Sie vor einem Strauch voller reifer Himbeeren. Sie zögern kurz, dann pflücken Sie eine Handvoll und naschen sie direkt vom Strauch. Die Beeren schmecken sonnenwarm und süß, und Sie haben nichts dafür bezahlt. Willkommen im Naschgarten – einem Trend, der immer mehr Anhänger findet.

In immer mehr Gemeinden in Deutschland entstehen öffentliche Naschgärten oder Obstalleen, an denen jeder kostenlos ernten darf. Die Idee ist einfach: Statt Zierpflanzen werden essbare Gewächse gepflanzt, die allen zugutekommen. Äpfel, Birnen, Kirschen, Beeren, aber auch Nüsse und Kräuter – alles, was schmeckt und gut gedeiht.

Die Stadt Andernach am Rhein ist Vorreiter dieser Bewegung. Schon vor Jahren startete sie das Projekt „Essbare Stadt“ und bepflanzte öffentliche Flächen mit Obst und Gemüse. Heute ist die Stadt bekannt für ihre Naschgärten, und viele andere Kommunen haben das Konzept übernommen.

„Ausgangspunkt war die Idee, dass öffentliches Grün nicht nur schön, sondern auch nützlich sein kann“, erklärt die Stadtgärtnerin von Andernach. „Wir pflanzen nicht mehr nur Rosen und Buchs, sondern auch Apfelbäume und Beerensträucher. Die Bürger lieben es. Sie gehen spazieren, pflücken sich etwas und haben gleichzeitig ein schöneres Stadtbild.“

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Der Frühling ist da, die Tage werden länger, die Vögel zwitschern – es ist Zeit, wieder rauszugehen. Und wer wandern will, hat in Deutschland die Qual der Wahl. Das Netz an Wanderwegen ist dicht wie in kaum einem anderen Land. Doch jedes Jahr kommen neue hinzu, werden bestehende Wege aufgewertet oder neu zertifiziert. Hier sind die schönsten Neuigkeiten für die Wandersaison 2026.

Der Deutsche Wanderverband hat auch in diesem Jahr wieder mehrere Wege als „Qualitätswege Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Die Prüfer achten auf gute Markierungen, natürliche Wegeführung, landschaftliche Reize und Barrierefreiheit. Zu den neuen Prädikatswegen gehört der „Harzer Grenzweg“, der entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verläuft. Auf 70 Kilometern wandert man durch unberührte Natur, vorbei an alten Grenztürmen und Gedenkstätten – eine Mischung aus Landschaft und Geschichte.

Im Schwarzwald wurde der „Genießerpfad Wasserfall-Steig“ eröffnet. Wie der Name schon sagt, führt der Weg entlang mehrerer Wasserfälle, vorbei an rauschenden Bächen und durch dichte Wälder. Die Strecke ist nur acht Kilometer lang, aber mit vielen Höhenmetern gespickt – ideal für einen Tagesausflug mit der Familie.

Besonders familienfreundlich ist der neue „Märchenweg“ im Reinhardswald in Hessen. Auf sieben Kilometern können Kinder an Stationen Märchenfiguren entdecken, Rätsel lösen und spielerisch die Natur erkunden. Der Weg ist barrierefrei angelegt und auch mit Kinderwagen befahrbar – ein echter Gewinn für junge Familien.

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Es ist sechs Uhr morgens, minus fünf Grad Celsius, und am Ufer des Wannsees in Berlin versammeln sich Menschen. Sie tragen Bademäntel über Badekleidung, einige haben Mützen auf, andere halten warme Getränke in den Händen. Gleich werden sie ins eiskalte Wasser steigen – freiwillig. Willkommen in der Welt des Eisbadens.

Was vor ein paar Jahren noch als verrückte Randerscheinung galt, ist heute ein Massenphänomen. An fast jedem größeren See in Deutschland trifft man an Winterwochenenden auf Gruppen, die gemeinsam ins kalte Wasser steigen. Sie kommen in Scharen, jung und alt, Männer und Frauen, und alle eint die Überzeugung, dass Kälte gesund ist.

Doch das reine Bad reicht vielen nicht mehr. Immer populärer wird die Kombination mit Breathwork, speziellen Atemübungen, die den Körper auf die Kälte vorbereiten sollen. Unter Anleitung von Trainern atmen die Gruppen rhythmisch ein und aus, aktivieren das sympathische Nervensystem und bringen den Kreislauf in Schwung. Dann geht es ins Wasser – oft nur für ein bis zwei Minuten, aber die reichen aus, um den Körper auf Betriebstemperatur zu bringen.

„Ich mache das jetzt seit zwei Wintern“, erzählt eine Teilnehmerin, während sie zitternd aus dem Wasser steigt. „Am Anfang dachte ich, ich sterbe. Aber jetzt liebe ich es. Nach dem Bad bin ich den ganzen Tag über wach, ausgeglichen und glücklich. Es ist wie eine Droge, nur ohne Nebenwirkungen.“

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Deutschland ist voller verlassener Orte. Alte Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, stillgelegte Bahnhöfe, verfallene Fabriken – sie stehen leer, vergessen, dem Verfall preisgegeben. Doch immer mehr dieser Orte werden von Kreativen entdeckt und zu neuem Leben erweckt. Aus Lost Places werden Found Places.

Ein Beispiel ist der Bunker in Hamburg-St. Pauli. Ein riesiger Betonklotz aus dem Krieg, jahrelang ungenutzt, ein Schandfleck im Stadtbild. Heute ist er ein Kulturzentrum mit Veranstaltungsräumen, Ateliers und einer Dachterrasse mit Blick über die Stadt. „Bunkier“ nennen ihn die Hamburger, und er ist längst zu einem beliebten Treffpunkt geworden.

Oder der ehemalige Bahnhof in Dresden-Neustadt: Jahrzehnte stand er leer, die Fenster waren vernagelt, der Putz bröckelte. Dann entdeckte eine Gruppe von Künstlern das Gebäude und machte es zu ihrem Domizil. Heute gibt es dort Ausstellungen, Konzerte, ein Café und Werkstätten. Der Bahnhof ist wieder lebendig.

„Verlassene Orte haben eine besondere Energie“, sagt eine Künstlerin, die in einem ehemaligen Bunker in Berlin arbeitet. „Die Geschichte liegt in den Mauern. Man spürt sie, wenn man hier arbeitet. Das inspiriert.“ Ihr Atelier liegt tief unter der Erde, die Wände sind meterhoch, die Fenster winzig. Früher hörte man hier die Sirenen, heute hört man nur noch leise Musik und das Kratzen des Pinsels auf Leinwand.

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Es ist wieder so weit: In vielen deutschen Städten stehen sie an den Straßenrändern, die Sperrmüllhaufen. Alte Schränke, durchgesessene Sessel, wackelige Tische – für die meisten ist das einfach Müll. Für eine wachsende Zahl von Menschen jedoch sind es Schätze, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Die Sperrmüll-Jäger sind unterwegs, und sie haben oft ein gutes Auge für das, was andere übersehen.

In Berlin ist Sperrmüll-Sammeln längst Volkssport. An den Abenden vor der Abholung fahren die ersten Autos langsam durch die Straßen, die Augen auf den Bürgersteig gerichtet. Wer ein gutes Stück entdeckt, hält an, lädt ein und verschwindet wieder. Oft sind es junge Leute, die in WGs wohnen und kein Geld für teure Möbel haben. Aber auch Designer und Vintage-Liebhaber sind dabei.

„Ich habe schon die tollsten Sachen gefunden“, erzählt Lena, die in Kreuzberg wohnt. „Einen original 60er-Jahre-Sessel, eine Kommode aus den 50ern, sogar einen Spiegel mit Goldrahmen. Meine ganze Wohnung ist Sperrmüll – und sie sieht besser aus als manche Designermöbel-Ausstattung.“

Doch finden allein reicht nicht. Oft sind die Möbel kaputt, haben Kratzer oder sind schmutzig. Hier kommt das Upcycling ins Spiel. Die gefundenen Schätze werden gereinigt, repariert, neu gestrichen oder mit neuen Griffen versehen. Aus alt wird neu – und oft viel schöner als vorher.

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Wenn man an Kleingärten denkt, hat man Bilder von ordentlichen Beeten, sauber gestutzten Hecken und vielleicht einer Gartenzwerg-Parade im Kopf. Aber Kunst? Graffiti? Fehlanzeige. Oder etwa doch? In einigen Kleingartenkolonien Deutschlands tut sich Unerwartetes: An den Wänden von Lauben, auf Gartenhäuschen oder sogar auf selbstgebauten Skulpturen tauchen bunte Bilder auf – Graffiti, aber nicht im klassischen Sinne.

Es sind keine wilden Tags oder grobe Schmierereien, sondern oft liebevoll gestaltete Kunstwerke. Ein bemalter Gartenzaun, der wie ein Blumenmeer aussieht. Eine Laubenwand, auf der ein Riese schläft, umgeben von rankendem Efeu. Oder ein alter Gartenschuppen, der mit einem bunten Mural verziert ist, das die Geschichte des Vereins erzählt.

In der Kleingartenkolonie „Am Weiher“ in Leipzig hat sich eine Gruppe von Hobbykünstlern zusammengetan, um die tristen Außenwände der Gemeinschaftsgebäude zu verschönern. Mit Genehmigung des Vereinsvorstands entstanden in den letzten Monaten mehrere Wandbilder. Eins zeigt eine üppige Blumenwiese mit Bienen und Schmetterlingen, ein anderes eine nostalgische Gartenidylle mit Laube und Apfelbaum.

„Am Anfang waren manche skeptisch“, erzählt die Vorsitzende. „Die einen dachten gleich an Schmierereien, die anderen hatten Angst vor zu viel Moderne. Aber als die ersten Bilder fertig waren, hat sich die Stimmung gedreht. Heute finden es alle toll. Es bringt Farbe in den Garten.“

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Stellen Sie sich vor, Sie räumen den Dachboden Ihrer Großeltern auf. Zwischen vergilbten Fotos, alten Kleidern und verstaubten Büchern fällt Ihnen ein gerahmtes Dokument in die Hände. Das Papier ist brüchig, die Schrift verschnörkelt, aber das Siegel ist noch gut zu erkennen: Es ist ein Meisterbrief, ausgestellt vor über hundert Jahren. Ein Fundstück, das nicht nur persönlichen Wert hat, sondern auch ein Stück Handwerksgeschichte erzählt.

Immer mehr Menschen entdecken solche Schätze auf ihren Dachböden oder in alten Truhen. Und immer häufiger suchen sie den Rat von Experten, um mehr über die Geschichte dieser Dokumente zu erfahren. Die Handwerkskammern verzeichnen eine steigende Zahl von Anfragen zur Restaurierung und Einordnung alter Meisterbriefe.

Ein solcher Fund ist der Meisterbrief des Schmiedemeisters August Bieler aus dem Jahr 1905. Seine Urenkelin fand ihn in einer Kiste auf dem Speicher, zusammen mit alten Werkzeugen und Fotos. „Wir wussten, dass unser Urgroßvater Schmied war, aber wir hatten keine Ahnung, dass es noch solche Dokumente gibt“, erzählt sie. „Als wir den Brief in den Händen hielten, waren wir ganz ergriffen. Das ist ein Stück Familiengeschichte.“

Die Handwerkskammer half bei der Restaurierung. Das brüchige Papier wurde gereinigt, die Risse fachmännisch geschlossen, und der Brief kam in einen säurefreien Rahmen. Heute hängt er im Wohnzimmer der Familie, ein Ehrenplatz für den Urgroßvater, der vor über hundert Jahren seine Meisterprüfung ablegte.

Doch Meisterbriefe sind nicht nur private Erinnerungsstücke. Sie sind auch wichtige historische Dokumente. Sie zeigen, wie das Handwerk früher organisiert war, welche Anforderungen gestellt wurden und wie sich Berufe im Laufe der Zeit verändert haben. In den Archiven der Handwerkskammern lagern tausende solcher Briefe, die auf ihre Entdeckung warten.

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In Annaberg-Buchholz, mitten im Herzen des Erzgebirges, gibt es einen Ort, der wie eine Schatzkammer wirkt. Die Manufaktur der Träume, ein Museum für erzgebirgische Volkskunst, beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der Region. Und seit einiger Zeit zeigt es eine Sonderausstellung, die Besucher aus ganz Deutschland anlockt: Exponate aus der berühmten Sammlung Pohl-Ströher.

Wer die Ausstellung betritt, taucht ein in eine Welt voller filigraner Details und handwerklicher Meisterschaft. Hinter Glasvitrinen reihen sich geschnitzte Bergmänner, leuchtende Schwibbögen und klöppeldecken, die so fein sind, dass man meint, sie müssten vom Wind verweht werden. Jedes Stück erzählt eine Geschichte – von den Menschen, die es geschaffen haben, von der Zeit, in der es entstand, und von den Händen, die es über Generationen bewahrt haben.

Die Sammlung Pohl-Ströher gilt als eine der wertvollsten ihrer Art. Zusammengetragen über Jahrzehnte von der Unternehmerfamilie Ströher, die ihr Vermögen mit Haarpflegeprodukten machte, umfasst sie tausende Objekte. Viele davon waren lange der Öffentlichkeit verborgen, lagerten in Archiven oder Privaträumen. Nun werden sie nach und nach gezeigt – und das Publikum ist begeistert.

Besonders beeindruckend sind die geschnitzten Figuren. Da steht ein Bergmann aus dem 18. Jahrhundert, dessen Gesicht so lebensecht geschnitzt ist, dass man ihm die Strapazen der Arbeit unter Tage ansieht. Da hängt ein Engel mit Flügeln aus feinstem Goldschaum, der so zerbrechlich wirkt, dass man den Atem anhält. Und da ist eine Weihnachtskrippe mit hunderten Figuren, jede einzelne liebevoll gestaltet, jede mit einem eigenen Ausdruck.

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