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In Köln, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, gibt es seit kurzem eine Kneipe, die auf den ersten Blick wie viele andere aussieht. Dunkles Holz, Theke, ein paar Tische. Doch beim genaueren Hinsehen fallen Details auf: An der Garderobe hängen Warnwesten, unter den Tischen stehen Arbeitsstiefel, und die Speisekarte bietet nicht Sushi oder Avocado-Toast, sondern „Strammen Max“, „Frikadelle mit Bratkartoffeln“ und „Halve Hahn“. Herzlich willkommen in der „Bauklappe“ – einer Kneipe von Handwerkern, für Handwerker.

In Zeiten, in denen die Innenstädte immer mehr von hippen Bars und teuren Cocktail-Lounges geprägt werden, erleben einfache, ehrliche Handwerkerkneipen eine Renaissance. Orte, an denen man nach Feierabend im Blaumann rein kann, ohne schief angesehen zu werden. Orte, an denen man über Mauern, Kabel und Heizungen reden kann, ohne dass jemand gelangweilt wegschaut.

Die Idee zur „Bauklappe“ hatte der Kölner Bauunternehmer Markus Schmitz. „Ich saß mit meinen Leuten oft in schicken Locations, aber keiner fühlte sich wohl. Die Preise waren hoch, das Bier zu fancy, und die Musik so laut, dass man sich nicht unterhalten konnte. Ich dachte mir: Das muss doch auch anders gehen.“ Also mietete er eine kleine Ladenfläche, strich sie in freundlichem Gelb (der Farbe der Baustelle) und eröffnete eine Kneipe, in der das Bier vom Fass kommt, der Kaffee stark ist und die Bedienung einen Spruch auf den Lippen hat.

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Der Spieleabend hat in Deutschland eine lange Tradition. Aber was lange Zeit nach Monopoly und Mensch ärgere Dich nicht roch, hat sich in den letzten Jahren radikal gewandelt. Der Spieleabend 2026 ist kreativ, kooperativ und oft überraschend komplex. Brettspiele sind zurück – und zwar lauter und besser denn je.

Im April fand in Leipzig wieder die „SPIEL’26“ statt, die größte Messe für Gesellschaftsspiele der Welt. Die Messehallen waren brechend voll, die Stimmung ausgelassen. Was die Besucher dort sahen, war ein Spiegelbild eines Trends, der sich seit Jahren abzeichnet: Weg vom reinen Wettbewerb, hin zum gemeinsamen Erlebnis.

Eines der meistdiskutierten Spiele auf der Messe war „Zug um Zug Legacy: Die Ruhrpott-Chroniken“. Es ist die neueste Version des Klassikers „Zug um Zug“, aber mit einem Twist: Das Spiel verändert sich im Laufe mehrerer Partien. Entscheidungen, die man in einer Runde trifft, haben Auswirkungen auf die nächste. Man schreibt quasi seine eigene Geschichte. „Legacy-Spiele sind der absolute Renner“, erklärt ein Messebesucher aus Essen. „Man wächst als Gruppe zusammen, weil man gemeinsam eine Welt erschafft. Das ist viel spannender, als sich nur gegenseitig zu besiegen.“

Der Trend zum kooperativen Spiel ist unübersehbar. In Spielen wie „MikroMacro: Crime City“ versucht die ganze Gruppe gemeinsam, einen Kriminalfall zu lösen. Auf einem riesigen Poster müssen Hinweise gesucht, Verdächtige verfolgt und Täter überführt werden. Ein Spiel, das Detektivarbeit und Teamwork vereint und für das man keinen Spielleiter braucht.

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Wenn die meisten Deutschen Feierabend machen, schalten sie den Computer aus, verlassen das Büro und fahren nach Hause. Bei Johannes Wagner, 27 Jahre alt, Landwirt aus dem Münsterland, beginnt dann oft die zweite Schicht. Aber nicht auf dem Feld, sondern vor dem Smartphone. Johannes ist einer von hunderten jungen Bäuerinnen und Bauern, die nach Feierabend zu Influencern werden. Ihr Arbeitsplatz: Kuhstall, Traktor oder Kartoffelacker. Ihr Publikum: Millionen von Städtern, die gebannt zuschauen, wie Milch produziert wird, Kühe gemolken werden oder ein Mähdrescher übers Feld donnert.

„Am Anfang haben mich die Dorfbewohner belächelt“, erzählt Johannes, während er sein Handy auf einem Strohballen ablegt, um ein Video zu drehen. Er will zeigen, wie man einen verstopften Melkroboter repariert – eine scheinbar banale Tätigkeit, die bei seinen Followern auf TikTok und Instagram tausende Likes bekommt. „Die Leute sind fasziniert von unserem Alltag. Sie haben keine Ahnung, wo ihre Milch herkommt. Und ich gebe ihnen eben Einblick.“

Was vor ein paar Jahren als Randphänomen begann, ist heute eine regelrechte Bewegung. Unter Hashtags wie #Landleben, #Bauernregeln oder #Farmfluencer teilen junge Landwirte ihre Geschichten. Sie zeigen nicht nur die heile Welt mit Kälbchen auf der Weide, sondern auch die Schattenseiten: den Stress bei der Ernte, den Ärger mit Bürokratie, die Einsamkeit auf dem Hof oder die Sorge um das Tierwohl. Authentizität ist ihr Kapital.

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Stellen Sie sich vor: Sie liegen in einem warmen, duftenden Saunaraum, umgeben von sanftem Licht und leisen Beats. Neben Ihnen nippt jemand an einem Elektrolyt-Getränk, während ein DJ in der Ecke entspannte Downtempo-Klänge auflegt. Nach einer Weile geht es hinaus an die frische Luft, ein kurzer Sprung ins kühle Becken, und dann beginnt der zweite Teil des Abends – eine Tanzsession im Bademantel, bei der das Wasser auf der Haut noch glitzert. Das ist keine Fiktion, das ist der neueste Schrei der Partyszene: Wellness-Raves.

Im Jahr 2026 verschmelzen zwei Welten, die lange Zeit als unvereinbar galten. Auf der einen Seite die Welt der Entspannung, der Ruhe und des bewussten Körpergefühls. Auf der anderen Seite die Welt der elektronischen Musik, des Tanzes und der Gemeinschaft. Heraus kommt ein Hybrid, der vor allem in den Thermen und Spa-Resorts Deutschlands für Furore sorgt.

Den Anfang machte vor einigen Jahren die Therme Erding in Bayern mit ihren legendären Sauna-Events. Doch was damals noch als exotische Ausnahme galt, ist heute ein Massenphänomen. Immer mehr Thermalbäder öffnen abends ihre Pforten für spezielle „Spa & Dance“-Nächte. Die Regeln sind streng: Handtuchpflicht, Badeschlappen, und natürlich ist Glas im Saunabereich tabu. Dafür gibt es an der Bar keine Bierflaschen, sondern aufwendig gemixtes „Wellness-Water“ mit Gurke, Minze und Zitrone oder elektrolythaltige Drinks, die den Flüssigkeitshaushalt in der heißen Sauna regulieren sollen.

Einer der Vorreiter dieser Bewegung ist der „Coffee Rave“, der vor kurzem in München für Aufsehen sorgte. Statt Alkohol gab es Koffein in all seinen Formen: Espresso, Cold Brew, aber auch Kaffee-Cocktails mit Milchschaum und Zimt. Getanzt wurde nicht im dunklen Keller, sondern in einem lichtdurchfluteten Foyer mit großen Fenstern, durch die die untergehende Sonne schien. Das Besondere: Die Party begann um 14 Uhr und endete um 20 Uhr. „Wir wollten zeigen, dass Tanzen und Feiern nicht zwangsläufig mit Alkohol und Schlafmangel verbunden sein müssen“, erklärt einer der Veranstalter. „Viele unserer Gäste sagen, sie fühlen sich nach einer solchen Party besser als vorher. Sie haben sich ausgepowert, geschwitzt, aber auch entspannt und neue Leute kennengelernt. Das ist wie ein Kurzurlaub vom Alltag.“

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Es ist Freitagabend, kurz nach sechs. Während die meisten Büros sich langsam leeren und die Menschen in überfüllten S-Bahnen nach Hause pendeln, passiert in einer umgebauten Fabriketage in Berlin-Neukölln etwas Unerwartetes: Die ersten Gäste trudeln ein, doch sie sind nicht aufgedonnert, sondern tragen bequeme Pullover. Sie bestellen Mate-Tee statt Wodka-Energy. Und sie tanzen. Willkommen in der Welt des „Soft Clubbing“.

Was in Großbritannien als „Daytime Rave“ begann, hat längst die deutschen Großstädte erobert. In Hamburg, Berlin, Köln und München schießen Veranstaltungen aus dem Boden, die mit den klassischen Club-Nächten wenig gemein haben. Der Name ist hier Programm: Es wird weich, sanft und vor allem früh gefeiert. Die meisten dieser Partys beginnen zwischen 16 und 18 Uhr und enden spätestens um 22 Uhr. Viele sind alkoholfrei, und wenn es doch Cocktails gibt, dann sind es oft kreative Mocktails mit Ingwer, Kurkuma oder Matcha.

Doch was steckt hinter diesem Trend? Die Generation Z, oft als pragmatisch und gesundheitsbewusst beschrieben, hat offenbar keine Lust mehr auf den klassischen Club-Marathon, der um Mitternacht beginnt und erst im Morgengrauen endet. „Früher dachte ich, Feiern bedeutet, bis zum Umfallen zu trinken und zwei Tage zu brauchen, um sich zu erholen“, erzählt Marie (24) aus Hamburg, die regelmäßig auf Soft-Clubbing-Events geht. „Heute will ich etwas von meinem Wochenende haben. Ich will tanzen, Spaß haben – aber am nächsten Morgen fit sein, um auszuschlafen und dann vielleicht wandern zu gehen.“

Die Formate sind so vielfältig wie die Gäste selbst. Da gibt es die „Early Birds“-Sessions in angesagten Cafés, die nachmittags die Tische zur Seite schieben und Platz für eine kleine Tanzfläche machen. Oder die „Silent Yoga Raves“, bei denen die Teilnehmer zunächst eine Stunde Yoga machen und dann mit Kopfhörern und leiser, entspannender Elektromusik in die Nacht tanzen – natürlich nur bis zehn.

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