Die Startseite Feierabend Feierabend auf dem Acker: Warum Jungbauern heute Influencer sind

Feierabend auf dem Acker: Warum Jungbauern heute Influencer sind

von Rodd Witter

Werbung

Wenn die meisten Deutschen Feierabend machen, schalten sie den Computer aus, verlassen das Büro und fahren nach Hause. Bei Johannes Wagner, 27 Jahre alt, Landwirt aus dem Münsterland, beginnt dann oft die zweite Schicht. Aber nicht auf dem Feld, sondern vor dem Smartphone. Johannes ist einer von hunderten jungen Bäuerinnen und Bauern, die nach Feierabend zu Influencern werden. Ihr Arbeitsplatz: Kuhstall, Traktor oder Kartoffelacker. Ihr Publikum: Millionen von Städtern, die gebannt zuschauen, wie Milch produziert wird, Kühe gemolken werden oder ein Mähdrescher übers Feld donnert.

Werbung

„Am Anfang haben mich die Dorfbewohner belächelt“, erzählt Johannes, während er sein Handy auf einem Strohballen ablegt, um ein Video zu drehen. Er will zeigen, wie man einen verstopften Melkroboter repariert – eine scheinbar banale Tätigkeit, die bei seinen Followern auf TikTok und Instagram tausende Likes bekommt. „Die Leute sind fasziniert von unserem Alltag. Sie haben keine Ahnung, wo ihre Milch herkommt. Und ich gebe ihnen eben Einblick.“

Was vor ein paar Jahren als Randphänomen begann, ist heute eine regelrechte Bewegung. Unter Hashtags wie #Landleben, #Bauernregeln oder #Farmfluencer teilen junge Landwirte ihre Geschichten. Sie zeigen nicht nur die heile Welt mit Kälbchen auf der Weide, sondern auch die Schattenseiten: den Stress bei der Ernte, den Ärger mit Bürokratie, die Einsamkeit auf dem Hof oder die Sorge um das Tierwohl. Authentizität ist ihr Kapital.

Sie können auch mögen