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Deutschland ist voller verlassener Orte. Alte Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, stillgelegte Bahnhöfe, verfallene Fabriken – sie stehen leer, vergessen, dem Verfall preisgegeben. Doch immer mehr dieser Orte werden von Kreativen entdeckt und zu neuem Leben erweckt. Aus Lost Places werden Found Places.

Ein Beispiel ist der Bunker in Hamburg-St. Pauli. Ein riesiger Betonklotz aus dem Krieg, jahrelang ungenutzt, ein Schandfleck im Stadtbild. Heute ist er ein Kulturzentrum mit Veranstaltungsräumen, Ateliers und einer Dachterrasse mit Blick über die Stadt. „Bunkier“ nennen ihn die Hamburger, und er ist längst zu einem beliebten Treffpunkt geworden.

Oder der ehemalige Bahnhof in Dresden-Neustadt: Jahrzehnte stand er leer, die Fenster waren vernagelt, der Putz bröckelte. Dann entdeckte eine Gruppe von Künstlern das Gebäude und machte es zu ihrem Domizil. Heute gibt es dort Ausstellungen, Konzerte, ein Café und Werkstätten. Der Bahnhof ist wieder lebendig.

„Verlassene Orte haben eine besondere Energie“, sagt eine Künstlerin, die in einem ehemaligen Bunker in Berlin arbeitet. „Die Geschichte liegt in den Mauern. Man spürt sie, wenn man hier arbeitet. Das inspiriert.“ Ihr Atelier liegt tief unter der Erde, die Wände sind meterhoch, die Fenster winzig. Früher hörte man hier die Sirenen, heute hört man nur noch leise Musik und das Kratzen des Pinsels auf Leinwand.

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Es ist wieder so weit: In vielen deutschen Städten stehen sie an den Straßenrändern, die Sperrmüllhaufen. Alte Schränke, durchgesessene Sessel, wackelige Tische – für die meisten ist das einfach Müll. Für eine wachsende Zahl von Menschen jedoch sind es Schätze, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Die Sperrmüll-Jäger sind unterwegs, und sie haben oft ein gutes Auge für das, was andere übersehen.

In Berlin ist Sperrmüll-Sammeln längst Volkssport. An den Abenden vor der Abholung fahren die ersten Autos langsam durch die Straßen, die Augen auf den Bürgersteig gerichtet. Wer ein gutes Stück entdeckt, hält an, lädt ein und verschwindet wieder. Oft sind es junge Leute, die in WGs wohnen und kein Geld für teure Möbel haben. Aber auch Designer und Vintage-Liebhaber sind dabei.

„Ich habe schon die tollsten Sachen gefunden“, erzählt Lena, die in Kreuzberg wohnt. „Einen original 60er-Jahre-Sessel, eine Kommode aus den 50ern, sogar einen Spiegel mit Goldrahmen. Meine ganze Wohnung ist Sperrmüll – und sie sieht besser aus als manche Designermöbel-Ausstattung.“

Doch finden allein reicht nicht. Oft sind die Möbel kaputt, haben Kratzer oder sind schmutzig. Hier kommt das Upcycling ins Spiel. Die gefundenen Schätze werden gereinigt, repariert, neu gestrichen oder mit neuen Griffen versehen. Aus alt wird neu – und oft viel schöner als vorher.

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Wenn man an Kleingärten denkt, hat man Bilder von ordentlichen Beeten, sauber gestutzten Hecken und vielleicht einer Gartenzwerg-Parade im Kopf. Aber Kunst? Graffiti? Fehlanzeige. Oder etwa doch? In einigen Kleingartenkolonien Deutschlands tut sich Unerwartetes: An den Wänden von Lauben, auf Gartenhäuschen oder sogar auf selbstgebauten Skulpturen tauchen bunte Bilder auf – Graffiti, aber nicht im klassischen Sinne.

Es sind keine wilden Tags oder grobe Schmierereien, sondern oft liebevoll gestaltete Kunstwerke. Ein bemalter Gartenzaun, der wie ein Blumenmeer aussieht. Eine Laubenwand, auf der ein Riese schläft, umgeben von rankendem Efeu. Oder ein alter Gartenschuppen, der mit einem bunten Mural verziert ist, das die Geschichte des Vereins erzählt.

In der Kleingartenkolonie „Am Weiher“ in Leipzig hat sich eine Gruppe von Hobbykünstlern zusammengetan, um die tristen Außenwände der Gemeinschaftsgebäude zu verschönern. Mit Genehmigung des Vereinsvorstands entstanden in den letzten Monaten mehrere Wandbilder. Eins zeigt eine üppige Blumenwiese mit Bienen und Schmetterlingen, ein anderes eine nostalgische Gartenidylle mit Laube und Apfelbaum.

„Am Anfang waren manche skeptisch“, erzählt die Vorsitzende. „Die einen dachten gleich an Schmierereien, die anderen hatten Angst vor zu viel Moderne. Aber als die ersten Bilder fertig waren, hat sich die Stimmung gedreht. Heute finden es alle toll. Es bringt Farbe in den Garten.“

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Stellen Sie sich vor, Sie räumen den Dachboden Ihrer Großeltern auf. Zwischen vergilbten Fotos, alten Kleidern und verstaubten Büchern fällt Ihnen ein gerahmtes Dokument in die Hände. Das Papier ist brüchig, die Schrift verschnörkelt, aber das Siegel ist noch gut zu erkennen: Es ist ein Meisterbrief, ausgestellt vor über hundert Jahren. Ein Fundstück, das nicht nur persönlichen Wert hat, sondern auch ein Stück Handwerksgeschichte erzählt.

Immer mehr Menschen entdecken solche Schätze auf ihren Dachböden oder in alten Truhen. Und immer häufiger suchen sie den Rat von Experten, um mehr über die Geschichte dieser Dokumente zu erfahren. Die Handwerkskammern verzeichnen eine steigende Zahl von Anfragen zur Restaurierung und Einordnung alter Meisterbriefe.

Ein solcher Fund ist der Meisterbrief des Schmiedemeisters August Bieler aus dem Jahr 1905. Seine Urenkelin fand ihn in einer Kiste auf dem Speicher, zusammen mit alten Werkzeugen und Fotos. „Wir wussten, dass unser Urgroßvater Schmied war, aber wir hatten keine Ahnung, dass es noch solche Dokumente gibt“, erzählt sie. „Als wir den Brief in den Händen hielten, waren wir ganz ergriffen. Das ist ein Stück Familiengeschichte.“

Die Handwerkskammer half bei der Restaurierung. Das brüchige Papier wurde gereinigt, die Risse fachmännisch geschlossen, und der Brief kam in einen säurefreien Rahmen. Heute hängt er im Wohnzimmer der Familie, ein Ehrenplatz für den Urgroßvater, der vor über hundert Jahren seine Meisterprüfung ablegte.

Doch Meisterbriefe sind nicht nur private Erinnerungsstücke. Sie sind auch wichtige historische Dokumente. Sie zeigen, wie das Handwerk früher organisiert war, welche Anforderungen gestellt wurden und wie sich Berufe im Laufe der Zeit verändert haben. In den Archiven der Handwerkskammern lagern tausende solcher Briefe, die auf ihre Entdeckung warten.

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In Annaberg-Buchholz, mitten im Herzen des Erzgebirges, gibt es einen Ort, der wie eine Schatzkammer wirkt. Die Manufaktur der Träume, ein Museum für erzgebirgische Volkskunst, beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der Region. Und seit einiger Zeit zeigt es eine Sonderausstellung, die Besucher aus ganz Deutschland anlockt: Exponate aus der berühmten Sammlung Pohl-Ströher.

Wer die Ausstellung betritt, taucht ein in eine Welt voller filigraner Details und handwerklicher Meisterschaft. Hinter Glasvitrinen reihen sich geschnitzte Bergmänner, leuchtende Schwibbögen und klöppeldecken, die so fein sind, dass man meint, sie müssten vom Wind verweht werden. Jedes Stück erzählt eine Geschichte – von den Menschen, die es geschaffen haben, von der Zeit, in der es entstand, und von den Händen, die es über Generationen bewahrt haben.

Die Sammlung Pohl-Ströher gilt als eine der wertvollsten ihrer Art. Zusammengetragen über Jahrzehnte von der Unternehmerfamilie Ströher, die ihr Vermögen mit Haarpflegeprodukten machte, umfasst sie tausende Objekte. Viele davon waren lange der Öffentlichkeit verborgen, lagerten in Archiven oder Privaträumen. Nun werden sie nach und nach gezeigt – und das Publikum ist begeistert.

Besonders beeindruckend sind die geschnitzten Figuren. Da steht ein Bergmann aus dem 18. Jahrhundert, dessen Gesicht so lebensecht geschnitzt ist, dass man ihm die Strapazen der Arbeit unter Tage ansieht. Da hängt ein Engel mit Flügeln aus feinstem Goldschaum, der so zerbrechlich wirkt, dass man den Atem anhält. Und da ist eine Weihnachtskrippe mit hunderten Figuren, jede einzelne liebevoll gestaltet, jede mit einem eigenen Ausdruck.

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