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Goldene Hände: Warum der Meisterbrief heute mehr Freiheit bedeutet als jedes Studium

von Rodd Witter

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Lange Zeit galt in Deutschland das ungeschriebene Gesetz: Wer etwas werden will, muss studieren. Abitur, Universität, Bachelor, Master – das war der Königsweg. Wer eine Ausbildung machte, war oft der, der „es nicht geschafft“ hatte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute erlebt das Handwerk eine Renaissance – und der Meisterbrief wird plötzlich als das gesehen, was er schon immer war: ein Ticket in die Freiheit.

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„Mehr Freiheit geht nicht in diesem Land“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Südwestfalen kürzlich bei einer Meisterfeier. Und er traf damit den Nagel auf den Kopf. Denn der Meisterbrief ist weit mehr als nur ein Stück Papier. Er ist die Erlaubnis, einen eigenen Betrieb zu führen, Lehrlinge auszubilden, eigenverantwortlich zu wirtschaften. Er ist ein akademischer Grad des Handwerks, vergleichbar mit einem Masterabschluss – nur oft praxisnäher.

Immer mehr junge Menschen erkennen das. Die Zahlen der Meisterprüfungen steigen seit Jahren. Besonders in Berufen wie Elektrotechnik, Tischlerei oder Metallbau verzeichnen die Handwerkskammern einen regelrechten Ansturm. Und das hat gute Gründe.

Da ist zum einen die finanzielle Seite. Ein Meister verdient in der Regel deutlich mehr als ein Geselle – und oft auch mehr als so mancher Akademiker. Mit eigenem Betrieb sind die Einkommensmöglichkeiten sogar nach oben offen. Wer gut ist und sich einen Namen macht, kann sehr erfolgreich sein.

Da ist zum anderen die Unabhängigkeit. Als Meister und Betriebsinhaber ist man sein eigener Chef. Man entscheidet, welche Aufträge man annimmt, wie man arbeitet, wann man Urlaub macht. Man ist nicht abhängig von den Launen eines Vorgesetzten oder den Entscheidungen eines Konzerns. Man ist Herr im eigenen Haus.

Und da ist nicht zuletzt der gesellschaftliche Wandel. In Zeiten von Klimakrise und Nachhaltigkeit wird wieder mehr Wert auf Qualität und Langlebigkeit gelegt. Reparieren statt Wegwerfen ist das Motto. Und wer kann das besser als Handwerker? Sie sind diejenigen, die kaputte Dinge wieder heil machen, alte Häuser sanieren, Möbel restaurieren. Sie leisten einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit – und das wird gesehen und geschätzt.

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